Arbeitsspeicher im Test – Sind 32 GByte sinnvoll?

Ballistix Sport LT DDR4 Red Kit (Bild: Crucial)

Zur Abwechslung gibts heute mal wieder einen Hardware-Test auf Antary. Bei PC-Komponenten handeln viele User nach der Devise: Mehr bzw. schneller ist immer besser. Ich halte davon nicht sehr viel, denn die persönlichen Anforderungen und Wünsche sind sehr unterschiedlich und jeder sollte das für sich passende Produkt aussuchen. Außerdem sollte auch ein Blick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis geworfen werden. Viele Hersteller lassen sich z.B. eine 10 % höhere Performance mit Preisaufschlägen von 50 % oder mehr vergüten. Ob das akzeptabel ist, muss jeder für sich entscheiden.

Jetzt bin ich aber schon abgeschweift, obwohl ich noch gar nicht zum eigentlichen Thema gekommen bin 😉 In meinem Artikel geht es um Arbeitsspeicher. Keine Angst, es wird kein langweiliger Speed-Test, bei dem drei verschiedene RAM-Kits auf ihre Overclocking-Funktionalität geprüft werden. Ebenso wenig möchte ich die Frage klären, was höhere Taktfrequenzen und knappe Timings im Alltag bringen. Nebenbei gesagt hat Computerbase diese Frage vor kurzem in einem interessanten Artikel aufgegriffen: AMD Ryzen & Intel Core i: DDR4-3200 bringt in Spielen teils mehr als eine teurere CPU

In letzter Zeit hatte ich mehrmals das Gefühl, dass mein Arbeitsspeicher in gewissen Situationen zu klein ist, obwohl ich bereits 16 GByte verbaut habe. Kurzerhand habe ich meinen RAM auf 32 GByte verdoppelt und anschließend überprüft, ob ich mit meiner Vermutung richtiglag. Diese Frage dürfte in den kommenden Jahren für immer mehr Nutzer interessant werden, weshalb ich meine Ergebnisse in diesem Artikel zusammenfasse.

Beim Arbeitsspeicher handelt es sich um den Crucial Ballistix Sport LT 32GB Kit DDR4-2666 (BLS2C16G4D26BFSE). Das Kit besteht aus zwei Modulen mit jeweils 16 GByte und ist aktuell für rund 280 Euro verfügbar. Mehr Informationen zum Arbeitsspeicher erhaltet ihr auf der Crucial-Produktseite. Der RAM wurde mir freundlicherweise von Crucial bereitgestellt. Vielen Dank dafür an Crucial!

Empfohlene Arbeitsspeichermenge

Die benötigte Menge an Arbeitsspeicher hängt natürlich sehr stark von den persönlichen Gegebenheiten ab. Dennoch lassen sich grobe Richtwerte definieren.

Anspruchslose Anwender mit einfachen Windows-Installationen, die lediglich ein wenig im Internet surfen und Officearbeiten ausführen, kommen heutzutage immer noch mit 4 GByte RAM aus. Dennoch kann man auch in diesen Fällen direkt zu 8 GByte greifen. Somit hat man genügend Reserven für leistungshungrige Anwendungsprogramme und ist auch für die kommenden Jahre auf der sicheren Seite.

Selbst beim Spieleeinsatz kann man mit 8 GByte noch etwas anfangen. Allerdings profitieren immer mehr Spiele von mehr als 8 GByte Speicher, weshalb für neue PCs und Aufrüster mittlerweile 16 GByte empfehlenswert sind. Der Vorteil äußert sich unter anderem in schnelleren Ladezeiten und gleichmäßigeren Frametimes. Auch beim Einsatz anspruchsvoller Multimedia-Software wie Bild- oder Videobearbeitung sind 16 GByte eine sinnvolle Investition.

Auch die Daten der Steam Hardware-Umfrage zeigen in diese Richtung. Obwohl hier noch relativ viele User mit 4 bzw. 8 GByte unterwegs sind, erlangen größere Speichermengen eine immer höhere Verbreitung. Über 23 % haben bereits mehr als 12 GByte RAM im Einsatz. Dabei ist anzumerken, dass Steam einen allgemeinen Durchschnitt im Gamer-Segment widergibt, bei dem auch viele Notebooks und Geräte aus Schwellenländern vertreten sind, die den Durchschnitt deutlich absenken.

Steam Hardware-Umfrage Juni 2017 - verbauter Arbeitsspeicher

Steam Hardware-Umfrage Juni 2017 – verbauter Arbeitsspeicher

Einen guten Einblick in das Enthusiasten-Segment bietet die 3DCenter-Umfrage von Juni 2016. Laut den Zahlen dort arbeiten rund 30 % mit 8 GByte und bereits 46 % sind mit 16 GByte RAM ausgestattet. Sogar eine Bestückung mit 32 GByte ist schon bei fast 10 % der Umfrageteilnehmer vorhanden. Die durchschnittliche Speicherbestückung aller Teilnehmer liegt damit bei 15,3 GByte. Dieser Wert stammt wohlgemerkt von Juni 2016, ein Jahr später dürfte er die 16 GByte schon überstiegen haben.

Spiele

Unter Spielen ist die Situation relativ eindeutig. Selbst unter neuen Spielen und höheren Auflösungen sind 16 GByte derzeit gut ausreichend. Es gibt nur sehr wenige Situationen, in denen mehr RAM benötigt wird. Oft ist das der Fall, wenn neben dem Spiel noch andere Anwendungen geöffnet sind, welche den verfügbaren Speicher einschränken. Windows selber genehmigt sich natürlich auch etwas Speicher und falls zusätzlich ein Browser mit vielen Tabs und noch weitere Programme geöffnet sind, kann es durchaus sein, dass für Spiele nur noch 10 GByte oder weniger zur Verfügung stehen. Dies könnte in einigen Situationen etwas zu wenig sein, wodurch Ruckler im Spielverlauf oder längere Nachladezeiten entstehen. Spiele wie Rise of the Tomb Raider, Just Cause 3, Mirror’s Edge Catalyst, Star Citizen oder Cities Skylines: After Dark können im Spielverbrauch durchaus 10 bis 12 GByte RAM benötigen.

Mehr als 16 GByte Arbeitsspeicher kann sich in bestimmten Situationen also durchaus in minimal höheren Frameraten und stetigeren Frametime-Verläufen niederschlagen. Gamestar hat Anfang des Jahres einen Artikel veröffentlicht, der diese These untermauert. Mangels entsprechender Spiele kann ich leider keine eigenen Messungen durchführen. Zukünftig sollten aber immer mehr Spiele erscheinen, die von 32 GByte RAM profitieren können.

Wie immer gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel 😉 Hier ein anschauliches Video, wie der Arbeitsspeicherverbrauch bei der Nutzung von ShadowPlay im Shadow Modus auf die RAM-Disk steigt.

Anwendungen

Es ist sehr schwer einzelne Applikationen zu finden, die alleine mehr als 6 – 8 GByte Arbeitsspeicher verbrauchen. Selbst Adobes Photoshop gibt sich normalerweise mit weniger zufrieden, außer man hantiert mit extrem hoch aufgelösten Bildern. Wirkliche Speicherfresser findet man hingegen bei der Videobearbeitung, da diese das zu bearbeitende Video oft in den RAM auslagern, um eine schnellere Bearbeitung zu ermöglichen. Hier sind schnell über 10 GByte erreicht und die Grenze nach oben ist im Prinzip nur durch die verbaute Speichermenge begrenzt.

Packprogramme wie z.B. 7-Zip können mitunter auch sehr speicherintensiv sein, allerdings erst mit angepassten Einstellungen. Mit Standardeinstellungen benötigt 7-Zip rund ein paar Hundert Megabyte Arbeitsspeicher. Bei angepasster Kompressionsstärke und Wörterbuchgröße können daraus aber schnell mehrere Gigabyte werden (siehe Screenshots).

Eine größere Wörterbuchgröße lohnt sich vor allem beim Packen von mehreren Gigabyte, denn damit wird eine höhere Kompressionsrate erzielt und das Archiv fällt je nach Daten einige Prozent kleiner aus.

Mit Hilfe des integrierten Benchmarks von 7-Zip kann der Einfluss der Arbeitsspeichermenge gut aufgezeigt werden. Bei einer Wörterbuchgröße von 256 MByte und 8 Threads benötigt 7-Zip 12.837 MByte Speicher. Bei 16 GByte RAM wird eine Rate von 15.831 KB/s erreicht. Mit 32 GByte RAM steigt die Rate immerhin auf 16.047 KB/s, was nur minimal mehr ist.

Wörterbuchgröße / Speichermenge MIPS KB/s
256 MByte / 16 GByte  22395 15.831
256 MByte / 32 GByte  22757  16.047
384 MByte / 16 GByte  19155 11.843
384 MByte / 32 GByte  24835  16.850

Bei einer Wörterbuchgröße von 384 MByte wendet sich das Blatt. Hier veranschlagt 7-Zip 19.749 MByte Arbeitsspeicher. Wenn nur 16 GByte verfügbar sind bricht die Kompressionsrate auf 11.843 KB/s ein, da nicht genügend Arbeitsspeicher verfügbar ist und anderweitig ausgelagert werden muss. Mit 32 GByte RAM liegt sie bei 16.850 KB/s, was über 42 % höher ist.

Weitere sehr speicherhungrige Programme finden wir im Bereich der Virtualisierungssoftware (VirtualBox, Hyper-V, VMware Workstation oder Player, usw.). Selbstverständlich kommt es immer darauf an, wie viele VMs eingesetzt werden und wie viel RAM den einzelnen VMs zugeteilt wird. Ich habe beispielsweise eine Test-VM, auf der immer die neueste Windows 10 Insider Preview-Build läuft. Bei meinem bisherigen 16 GByte Speicher konnte ich der VM nur 4 GByte geben, da ich ansonsten auf meinem Host zu wenig RAM gehabt hätte. Bei 32 GByte kann ich der VM aber ohne Probleme 8 GByte überlassen.

VMWare RAM

RAM-Disk

Beim Anlegen einer RAM-Disk wird eine definierte Menge des Arbeitsspeichers reserviert und als Festplatte in das Betriebssystem eingebunden. Hauptvorteil einer RAM-Disk sind die sehr niedrigen Zugriffszeiten und der enorm hohe Datendurchsatz (siehe Benchmark CrystalDiskMark). Selbst moderne NVMe-SSDs sind hier ein Vielfaches langsamer.

Nachteil einer RAM-Disk ist, dass der Speicher vom verbauten Arbeitsspeicher abgezwackt und dieser somit kleiner wird. Außerdem sind die Daten nur so lange vorhanden, wie der Arbeitsspeicher mit Strom versorgt wird. Bei einem Stromausfall oder wenn der PC ausgeschaltet wird, sind alle Daten aus der RAM-Disk verschwunden.

Unter Windows existieren eine Menge verschiedener Programme zum Anlegen einer RAM-Disk. Bekannte Vertreter sind unter anderem Dataram RAMDisk, Gavotte RamDisk, Gilisoft RAMDisk, Passmark OSFMount, SoftPerfect RAM Disk, StarWind Software Virtual RAM Drive Emulator oder die Open Source Software ImDisk Toolkit. Je nach verwendeter Software kann die Größe der RAM-Disk statisch oder dynamisch festgelegt werden. Außerdem bieten einige Programme die Möglichkeit, die RAM-Disk beim Start des PCs mit Daten vorzuladen und beim Herunterfahren die Daten innerhalb der RAM-Disk automatisch auf die Festplatte zu sichern.

Der Einsatzzweck von RAM-Disks ist vielfältig und hängt maßgeblich von den Wünschen des Nutzers ab:

  • RAM-Disk als temporärer Zwischenspeicher für eine höhere Performance und um die SSD zu schonen
    • Browser Cache
    • 7-Zip Temp-Ordner
    • Temp-Ordner für Compiler (Softwareentwicklung)
    • usw.
  • Datenbanken auslagern
  • komplette VMs auslagern
  • komplette Spiele auslagern verringert die Ladezeit drastisch

In meinem Test habe ich den temporären Ordner von 7-Zip und eine komplette VM auf die RAM-Disk gelegt. Auf den Browser Cache habe ich verzichtet, da ich Firefox und Chrome komplett ohne Cache betreibe, seitdem ich VDSL2 mit 50 MBit/s nutze. Das in den 7-Zip-Optionen festlegbare Arbeitsverzeichnis kommt nur dann zum Einsatz, wenn Archive aktualisiert werden. Kopiert man hingegen Dateien aus dem 7-Zip-Dateimanager nach Windows, wird das Temp-Verzeichnis des Betriebssystems verwendet. Dieses kann man aber einfach über die Umgebungsvariablen auch auf die RAM-Disk legen. Danach bemerkt man beim Aktualisieren und Entpacken von Archiven einen deutlichen Geschwindigkeitsschub. Einen noch größeren Vorteil gibt es bei der VM innerhalb der RAM-Disk. Diese läuft extrem schnell und smooth, wirklich der Wahnsinn 🙂

Multitasking

Die bisher genannten Anwendungsfelder sind alle gut und recht, aber jeder von uns wird im Alltag mehr als eine Applikation offen haben, wo wir dann automatisch beim Multitasking landen. Bei mir sieht das folgendermaßen aus: Fast immer sind Firefox, Chrome, Thunderbird, Word oder Excel, eine Windows 10 VM (4 GByte RAM) und diverse andere kleine Programme wie beispielsweise Dropbox, Notepad++ und AIMP geöffnet. Mit Windows zusammen beträgt mein Arbeitsspeicherverbrauch damit immer um die 8-9 GByte. Bei insgesamt 16 GByte stehen damit noch 7-8 GByte zur Verfügung, was bei der Videobearbeitung oder bei Spielen mitunter schon zu wenig sein kann.

Mit 32 GByte kann ich den RAM der VM ohne weiteres auf 8 GByte erhöhen und habe dann immer noch 19-20 GByte frei. Selbst bei einer kleinen RAM-Disk bleibt dann noch genügend Reserve für potenzielle Spiele, speicherhungrige Programme oder eine weitere VM.

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass 16 GByte Arbeitsspeicher in der Regel immer noch völlig ausreichend sind. Einzelne Spiele oder Anwendungen reizen den zur Verfügung stehenden Speicher nur in seltenen Ausnahmefällen aus.

Anders sieht es beim Multitasking aus. Hier läuft man schon schneller in einen Engpass und 32 GByte lohnen sich in vielen Fällen bereits heute. Wer beispielsweise wie ich ständig eine VM und eine Menge weiterer Applikationen offen hat, könnte durchaus den Schritt zu 32 GByte gehen. Natürlich ist das ein gewisser Luxus, aber zumindest ich freue mich immer wieder darüber, wenn ich unbesorgt ein Spiel starten kann. Bei 16 GByte habe ich davor immer dem RAM-Verbrauch geprüft, da ich ggf. ein paar Anwendungen schließen musste.

Dennoch sollte der Schritt zu 32 GByte RAM gut bedacht sein, vor allem bei den aktuellen Speicherpreisen. Während 16 GByte vor rund einem Jahr für unter 60 Euro erhältlich war, müssen dafür heute rund 100 Euro bezahlt werden. Dies entspricht nahezu einer Preisverdopplung. 32 GByte sind erst ab 220 Euro erhältlich und höhere Taktraten sind nochmals teurer.

Tobi

Hallo, mein Name ist Tobias und ich habe diesen Blog im April 2009 ins Leben gerufen. Seitdem blogge ich hier über Software, Internet, Windows und andere Themen, die mich interessieren. SSDblog ist mein zweiter Blog, indem es rund um das Thema SSDs geht. Ich würde mich freuen, wenn ihr meinen Feed abonniert oder mir auf Twitter, Facebook, Google+ und Google+ (privat) folgt.

4 Antworten

  1. Sp9ider sagt:

    Guter Artikel mit interessanten Links. +1

  2. A-Jey sagt:

    Du hast noch einen wichtigen Anwendungspunkt vergessen:

    Musik Komponieren

    Mittlerweile sind die Software-Instrumente (VSTi) so umfangreich, dass manche Libraries pro Instrument schon mal ein Gigabyte groß sind.

    Bei entsprechend vielen Spuren im Song kommt man bei 16GB verdammt schnell an seine Grenzen!

  3. Made sagt:

    Danke für den Artikel.

    Off-Topic: Bjoerns Windows Blog ist tot. Könntest du aus deiner Blog-Roll entfernen

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